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Er hatte etwas Rückenschmerzen, aber seine Mutter konnte nichts feststellen, und so maßen sie beide dem zunächst keine große Bedeutung bei. Dann folgten aber in kurzen Abständen weitere Symptome: Erst schmerzte ein Knie, dann war Robert schlecht. Da lag dann doch der Gang zum Arzt nahe. Auf dessen Frage, was der Junge gegessen hätte, antwortete dieser wahrheitsgemäß "Heute Vormittag ein Fischbrötchen." Dieser Umstand führte zunächst auf die falsche Fährte, denn der Verdacht lautete auf "Fischvergiftung". Robert ging es aber schon in der Praxis zusehends schlechter, er zitterte, hatte bereits Fieber und der Blutdruck war zu niedrig.
Mutter und Sohn wurden nach Hause geschickt mit dem Hinweis, bei weiterer Verschlechterung in die Klinik zu gehen. Zu Hause angekommen fiel Robert in einen fiebrigen, unruhigen Schlaf. Seine Mutter fuhr bald darauf mit ihm zum Krankenhaus, denn das Fieber war stark angestiegen, der Junge konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Er wurde untersucht, Blut abgenommen und wieder wurde der Verdacht auf Fischvergiftung laut. "Robert wollte freiwillig in der Klinik bleiben, so schlecht ging es ihm eigentlich war er doch so ein Mamakind", berichtet die Mutter.
Dann spitzte sich die Situation zu: Robert hatte Krämpfe, phantasierte, und dieser ansonsten so freundliche Junge beschimpfte im Fieber die Krankenschwestern und schlug um sich. Den mittlerweile erstellten Laboruntersuchungen wurde erst kein Glauben geschenkt, solche Werte könnten nicht vorkommen. Da Roberts Blutdruck drastisch gefallen war, wurde er auf die Intensivstation verlegt. Seine Mutter entdeckte plötzlich rot-violette Hautverfärbungen. Solche Hauteinblutungen sind ein untrügliches Zeichen für eine hochakut verlaufende Sepsis, also Blutvergiftung. Drei Stunden später verstarb Robert.
Ursache war eine Meningokokken C-Infektion. Die Untersuchung beim Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken (NRZM) in Würzburg lässt keine Zweifel zu: "Bei dem Meningokokken C-Stamm handelte es sich in der Tat um einen so genannten ET-15- das ist unser aggressivster Klon", fasst Professor Ulrich Vogel vom NRZM und wissenschaftlicher Beirat der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken (AGMK) das Ergebnis zusammen. Dieser Typ von Meningokokken hat in den vergangenen Jahren in Deutschland schon für zahlreiche Erkrankungen und auch für Ausbrüche gesorgt, zuletzt im Frühjahr 2004 im Allgäu. Bei diesem Klon liegt die Sterberate in Deutschland bei 15 bis 20 Prozent, also höher als bei anderen Meningokokkentypen. Meningokokken können lebensgefährliche Hirnhautentzündungen und Sepsis auslösen.
Diese schweren Verläufe der Meningokokken C-Infektionen haben die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut 2006 dazu veranlasst, die Impfung gegen Meningokokken C als Standardimpfung in den Impfkalender aufzunehmen.
Weitere Informationen zu Meningokokken auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken http://www.agmk.de/ und des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken http://www.meningococcus.de.
*Name von der Redaktion geändert
Quelle: Deutsche Gesundheitskorrespondenz (dgk) Nr. 10 - Oktober 2005
Deutsches Grünes Kreuz e.V.
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